Ausstellung mit Nachwirkungen

Gestern, am vorletzten Ausstellungstag, besuchte ich mit Susanne die Ausstellung “Blumenkirche 2026 – Fülle des Lebens” im Kloster Kappel.

“Eine gross angelegte Blumeninszenierung verwandelt den Kirchenraum in eine einzigartige, naturverbundene Atmosphäre. Blumen, Bäume, Sträucher und landwirtschaftliche Ernteprodukte laden zum Staunen, Verweilen und Entdecken ein”, so war die Ausstellung ausgeschrieben.

Bereits vor der Kirche begrüssten uns zwei florale Arrangements neben dem Eingang.

Grosse Birkenzweige liessen beim Betreten der gotischen Kirche einen Hauch von Wald erahnen.

Die floralen Kreationen traten in einen spannungsvollen Dialog mit den Lichtobjekten und den historischen Fresken der Kirche.

Barocke Fülle und die lichtdurchflutete Weite des gotischen Kirchenraums mit seinen Spitzbögen und Kreuzrippengewölben – auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Welten.

Und doch verbindet sie etwas Wesentliches: Beide wollen das Göttliche inszenieren und den Menschen emotional berühren.

Die Gotik tut dies durch die enorme Höhe des Raumes und das farbige, fast immaterielle Licht, das durch die riesigen Fenster strömt.

Die barock anmutenden floralen Kunstwerke greifen diese Wirkung auf und führen sie weiter. Sie lenken das Licht gezielt auf goldene Flächen und erzeugen einen Hauch von himmlischem Glanz. Gleichzeitig füllen deckenhohe «Blumenbilder» die eher kühlen, weiten Flächen des gotischen Raumes mit Farbe, Formen und Leben.

Und je länger man hinschaut, desto faszinierender wird die Vielfalt von Farben, Formen und Strukturen.

Eine Blumenkomposition wirkt wie ein Gemälde.

Natur, Kunst und Kirche treten miteinander in einen Dialog.

Die Sterne im Gewölbe spielen mit den Blumensternen.

Der Raum erscheint durch die Verbindung von Beleuchtung und Blumenschmuck plötzlich in einem ganz anderen Licht.

Glas, Blumen und Kürbisse verbinden sich zu einer überraschenden und zugleich harmonischen Komposition.

Ein Kunstwerk für sich ist der lange Tisch, der mit grosser Liebe zum Detail gestaltet wurde.

Man erkennt, dass hier im Kloster Kappel professionelle Floristinnen am Werk waren: Jovanna Zollinger, Martina Camenzind und Regula Zürcher.

Wie misst man den Wert einer Ausstellung?

Für mich stellt sich diese Frage nicht in erster Linie nach Grösse, Aufwand oder Besucherzahlen. Entscheidend ist vielmehr: Wie wurde ich emotional berührt? Welche Gedanken sind entstanden? Welche Gespräche haben sich daraus entwickelt? Welche Bilder bleiben im Gedächtnis? Wozu hat mich die Ausstellung inspiriert? Und welche konkreten Handlungen wurden ausgelöst?

In diesem Sinne zeigte sich die Wirkung der «Blumenkirche» bereits zu Hause. Die Energie und Inspiration der Ausstellung sollte nachwirken.

Susanne hatte bereits ein Arrangement mitgebracht, noch bevor wir gemeinsam die Ausstellung besuchten.

Und nach dem Ausstellungsbesuch wurden auch meine Tochter und ich kreativ.

Für einen Kranz und ein Gesteck in einem Weidenkorb lieferten 10 gekaufte Rosen die Basis.

Mit meinem Korb ging ich anschliessend durch den Garten und sammelte weitere Blumen, Gräser und Blattwerk.

Das kleinere Gesteck in einem Korb schmückt nun die Wohnung meiner Tochter.

Der Kranz bleibt bei mir. So endet die Ausstellung nicht mit dem Verlassen der Kirche. Sie wirkt weiter – in unseren Händen, in unseren Zuhause und in den Dingen, die wir selbst daraus entstehen lassen.

Vielleicht ist genau das ein besonders schöner Massstab für den Wert einer Ausstellung: Wenn aus dem Betrachten eigenes Gestalten wird, wenn ein Bild im Kopf zu einer Idee wird und eine Idee schliesslich Gestalt annimmt.

Die «Blumenkirche 2026» hat bei mir jedenfalls etwas zum Blühen gebracht.

Im Buddhismus beurteilt man ein Handlung danach,
welche Wirkung sie hervorruft.

Dalai Lama

Dank
Ich danke der reformierten Kirche des Kantons Zürich, dem Kloster Kappel und den Floristinnen Jovanna Zollinger, Martina Camenzind und Regula Zürcher für diese wunderbare Ausstellung.
Mein Dank geht an Susanne, die sich von der Ausstellung begeistern liess, und Marian für das frechmutige Umsetzen von nicht-professionellen floralen Ideen – im kleinen Mass, in unserem Garten.

Musik
Zu dieser Ausstellung passt eine Mischung aus Werken von Hildegard von Bingen, Arvo Pärt, Johann Sebastian Bach, Erik Satie, Maurice Ravel
O Viridissima Virga – Hildegard von Bingen – Latin Chant
Arvo Pärt, Da pacem Domine
Arvo Pärt, Spiegel im Spiegel
Bach – Air from Orchestral Suite no. 3 in D major BWV 1068
Erik Satie: Gymnopédie No.1
Ravel : Pavane pour une infante défunte

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Herbstlicher Genussabend

  1. Mary

    Sooooo schön..!!! ♥️

  2. Rita

    Was für eine Blumen- und Farbenpracht!

  3. Rudi

    Faszinierend, dankbar

  4. Lis

    Herzlichen Dank Regula. Was für eine Farbenpracht und wieviel Kreativität
    zeigte sich in der Klosterkirche Kappel.
    Dass ich nun durch deine Bilder diese beeindruckende Kunstwerke, obwohl ich
    die Ausstellung nicht besuchen konnte, im Nachhinein geniessen darf, freut mich sehr.

  5. Susanne

    Herzlichen Dank dir Regula, dass du mich auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht und sie mit mir zusammen besucht hast! So konnten wir unsere Begeisterung teilen. Die Blumenpracht, die Gespräche in deinem Garten und unser Waldspaziergang wirken nach.
    Deine und Mariannes florale Werke inspirieren mich, es doch einmal selber zu versuchen.

  6. Ritanna

    Traumhaft, unwahrscheinlich schön, erhaben; diese Sphäre trägt wahrhaftig in den Himmel, lässt atmen und staunen. Deine Worte Regula, lassen noch grössere Gefühle, Dankbarkeit zu, ja Demut vor der Schöpfung, die sich in innerer Energie steigert und ausströmt, sich aufschwingt.
    Wundervollen Dank Dir Regula für das Teilen.

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