Wer Karins Garten betrat, liess die Alltagswelt hinter sich. Zwischen Blumen, alten Gartenmöbeln, Insektenhotels, kunstvollen Figuren, Wasserbecken und Fundstücken berührte eine Welt voller Geschichten.
Karin liebte ihren Garten. Seit 18 Jahre hatte sie ihn voller Begeisterung angelegt, gepflegt und mit unzähligen Objekten geschmückt.

Karin wohnt im dritten Stock einer Doppelhaushälfte. Die andere Hälfte wurde abgerissen und wird derzeit neu aufgebaut.

Die gelernte Gärtnerin und Floristin hat ihr Leben lang mit Pflanzen gearbeitet. Nach drei Herzinfarkten ist sie heute erwerbsunfähig. Den Kontakt zu den Menschen vermisst sie bis heute.

Bereits an der Strasse bei der Bushaltestelle Müseren in Pfaffhausen fiel ein geschmücktes Beet auf. Neugierig warf man einen Blick zum dahinterliegenden Garten.

Trat man ein und blickte zurück zur Strasse, hatte man das Gefühl, eine Zauberwelt betreten zu haben.
Karin freute sich, wenn sich Menschen für ihren Garten interessierten.

Denn hier gab es unglaublich viel zu entdecken.

Die Arrangements wirkten wie kunstvolle Kompositionen.

Mal eine Rhapsodie in Blau.

Mal eine Sinfonie in Rot.
Der rote Schlitten stammt aus der Zeit der Seegfrörni 1963 und 1964, als solche Schlitten über den zugefrorenen Zürichsee geschoben wurden.

Gerade diese scheinbare Unordnung machte den Garten zu einem Paradies für Tiere. Was für manche wie ein Sammelsurium aussah, war in Wahrheit ein vielfältiger Lebensraum.
Dieser Garten war absolut kein Messie-Garten.

Er war anders als ein Durchschnittsgarten – wild, kreativ und gleichzeitig intensiv gepflegt.

Viele Blumen in allen Farben blühten, wurden gepflanzt, gepflegt und vor allem dürfen sie wachsen, wo sie sich wohlfühlen.

Der Garten bot Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Im Insektenhotel wohnte auch eine Eidechse. (Video: Karin)

Verschiedene Arten Wespen und Bienen waren hier zuhause.
Bei Schreinerarbeiten wurde Karin von einem älteren Mann unterstützt, der im obersten Stock wohnte. Er freute sich jedes Mal über Karins Garten. Inzwischen ist er gestorben.

Hier fanden Tiere ebenso wie Menschen Nahrung.

Der terrassierte Garten bot mehrere Sitzplätze.

Er geht sanft in den Wald über.

Auch echte Vögel kommen aus dem Wald, der die Hälfte des langgezogenen Gartens ausmacht.

Im Wald entdeckt man noch immer einen wahren “Lost Place”.

Die Baumkronen spiegeln sich in den Becken einer alten Fischzucht.

Wasser war allgegenwärtig: kleine Teiche, alte Badewannen oder Fässer bieten Lebensraum und Trinkstellen für zahlreiche Tiere.

Badesaison in Karins Garten!

Karins Garten war wie ein Bilderbuch mit tausend Geschichten – und jeder entdeckt darin andere.

Nichts wirke beliebig. Hinter jeder Ecke wartete eine neue Szene, ein neues Bild, eine neue Geschichte.
Märchenhafte Wesen bevölkerten den Garten.

Dieses Elfenmädchen war zutiefst erschüttert.
Der Garten musste innert weniger Wochen „entrümpelt“ werden – so verlangte es der Hausbesitzer. Entrümpeln ist ein Wort, das kaum beschreiben kann, was hier verloren ging.
Denn entfernt wurden nicht einfach Gegenstände. Verschwunden sind ein über Jahrzehnte gewachsener Lebensraum – für Tiere ebenso wie für Menschen.

Der uralte Hund konnte es nicht fassen – auch er musste weg.

Ein Blick über die Gartengrenze zeigte den Nachbarsgarten: ein fein säuberlich geschnittener Rasen, ordentlich, aber mit wenig Lebensraum für Tiere.
Gerade in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Hitzewellen wirkt eine solche Fläche kaum wie ein Ort zum Verweilen.

Wie anders war es doch hier, in Karins Garten.

Hier lag kein Stein zufällig. Jedes Objekt wurde liebevoll platziert.

Der Garten widerspiegelte Karins Persönlichkeit.

Er war zugleich ein Geschenk. Menschen und Tiere waren hier willkommen.
Vielleicht war es die eigentliche Botschaft dieses Gartens: Schönheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Zeit, Fantasie und Liebe.
Karins Garten war ihr Zuhause. Er war ihre innere Heimat und ihre Sprache zugleich. Hier drückte sie aus, was Worte kaum erzählen konnten. Menschen und Tiere waren willkommen, fanden Nahrung, Schutz und Ruhe. Doch diese Welt existiert nicht mehr. Vieles, was über Jahre seinen Platz gefunden hatte und Geschichten erzählte, wurde verschenkt oder entsorgt.
Trotzdem will Karin noch möglichst lange hier wohnen bleiben.

Doch mit jedem Gegenstand verschwand ein Stück ihrer Lebensgeschichte.
Und der Zauber ging unwiderbringlich verloren.
Jeder Mensch sollte das Recht haben, seinen Garten so zu gestalten, dass er seinen Werten entspricht und dass er den Menschen und der Natur dient.
In diesem Fall gibt es drei Mietparteien, die den Garten nutzen dürfen. Schade, wurde kein Konsens gefunden, ohne dass Karin ihr ganzes Paradies zerstören musste.
Wer einen Garten hat, lebt schon im Paradies.
Aba Assa
Dank
Ich danke Tania, die mich zu diesem Garten geführt hat und Karin für ihre Gastfreundschaft in ihrem Garten.
Musik
Beethoven: Symphony No. 6, 2. Satz
Blumenfest in Genzano
George Butterworth: The Banks of Green Willow
Ravel: Le jardin féerique Der Feengarten
Delius: In a Summer Garden
Delibes: Blumenduett
Tschaikowsky: Blumenwalzer
Fairy Bells
Buchtipp
Kate Bradbury: Ein Garten rettet eine ganze Welt – Kleine Schritte, Grosse Hoffnung
Es ist nicht immer leicht, angesichts der allgegenwärtigen Krisen das Vertrauen in das Leben nicht zu verlieren. In der Fürsorge für ihren Garten, für die Igel und Hummeln und Rotkehlchen, findet Kate Bradbury ihr Heilmittel gegen die tiefsitzende Umweltangst. In diesem Buch erzählt sie leicht und lebendig von ihren manchmal traurigen, oft hoffnungsfrohen und immer lehrreichen Begegnungen mit Pflanzen und Tieren – und manchmal auch Menschen.














Mary
Wie traurig… 😥 Schade um das Paradies für kleine Lebewesen.
Janine
Hat der Eigentümer diesen wunderschönen Post gelesen? Bei so viel Liebe für die Natur und die Tierwelt sollte doch jedes Herz weich werden!
Doris Nydegger
So was Grossartiges, Verspieltes, habe ich noch selten gesehen! Seid ihr beiden Zwillinge?🥰
Doris
Karin
Jöö dankeschön , ja ich han soo freud dass d’Regula bi mir verbii cho isch und sie so schön gschriebe het über mis Seelefueter was mich die letschte Jahre au treit u gehalten het ….
Rolf
Was für ein herrliches Durcheinander
Hildegard
Bei mir kommt Wut auf über den Hausbesitzer. So lange Karin ihre Miete begleicht, kann sie den Garten gestalten wie sie will. Er muss wohl einem Golfrasen mit ein paar Thujasträuchern und Steinen weichen. Was für ein Verlust!
In der heutigen Zeit, wo jedes bisschen Grün wertvoll ist und unzähligen kleinen Lebewesen Heimat bietet, sollte es verboten sein, so etwas zu zerstören.
Schämen Sie sich, Herr Hausbesitzer!!
Karin
Jööh …
Nein nein es wird kein Golfrasen geben …
Mein Nachbar im obsersten Stock ist leider nach kurzer schwerer Krankheit Ende Mai verstorben 🥹😪 Er hat 38 Jahre hier gelebt, davon 18 Jahre mit mir als Nachbarin … Haus und Umschwung war quasi die letzten Jahre ein Selbstläufer… für alles wird glueget, leben u leben lassen …
Und jetzt mit dem Versterben von Ueli denkt sich der Haubesitzer vielleicht: “Jetzt wird es einen neuen Mieter geben – nach sanfter Sanierung von Ueli ‘s Wohnung – das ist doch nun die Chance, hier mal frischen Wind reinzubringen” Ich denke, er befürchtet, niemanden zu finden, dem es hier wohl ist und dem es auch gefällt … und der dann auch noch gewissen Stil mitbringt.
Irene Eberle
Ich wette der Hausbesitzer wohnt nicht in diesem Haus, sonst würde er dieses schöne, farbige und lebendige Stück Garten mit eigenen Augen sehen und sich eventuell auch daran erfreuen. Sehr wahrscheinlich geht es wieder einmal nur ums Geld, Geld, Geld, wie so vieles in diesem Leben. Es muss ja noch die letzte kleine Parzelle ausgebaut und zubetoniert werden.!!!!
Ich hoffe, Karin und wir alle mit unseren Kommentaren, können vielleicht etwas bewirken, oder wenigstens einen Anstoss für den Hausbesitzer geben.
Karin
🥹🥹🤗
Susanbe Hess
Wie schade, dass in der heutigen Zeit kein Raum für einen solchen Zaubergarten mehr bleibt!☆♡☆
Karin
Dankeschöön vielmals Susanne ✨️🎊🤗🙏
Ja du erläbsch bi Dir u um Diin Garten ja au vieles, u unverständlichs…
Wenn ich a die krasse roodige am Bach nah bi de Mühle Maur,,, oder jetzt ganz frisch visavis vo de Kirche Maur dä aalti Garten wo Dachs ,Igel, und vieles mehr,,,Vögel,Eidechsli,Blindschliiche hend müesse schier über Nacht s’Wiite sueche…..
Grüessli Karin
Margret Willen
Liebe Regula
Herzlichen Dank für Deinen, wie immer sehr schönen Bericht! Es ist unglaublich, was dort liebevoll alles zusammen getragen wurde und gehegt und gepflegt wurde! Und ganz furchtbar, dass dies alles nicht mehr sein soll und darf! Steinwüsten, auch genannt „Gärten des Grauens“ überall, kein Platz für Tiere, Wasser kann nicht mehr versickern…
So unglaublich schlimm, das diese Frau nun alles „aufräumen“ muss! Es tut mir sehr leid! Liebe Grüsse! Margret
Marianne Schauwecker
Liebe Regula
auch mir tut das Herz weh beim Gedanken, dass Dein Wundergarten verschwinden soll! Da findet man auch kaum “Trostworte”…..
Hoffentlich geschieht ein Wunder, und der ‘Zaubergarten’ darf weiterleben….
Herzlichst, Marianne
Ritanna
Ja, der Garten ist Wohnraum, Stube und Herz zusammen, widerspiegelt die Seele eines Menschen, ist Schutz und Traumwelt, sorgsamen Umgang mit der “gross gepriesenen Schöpfung” und wird doch immer wieder mit Füssen, Bagger getrampelt.
Unglaublich was unsere Erde, der Boden aushält ! Erfreulich, dass immer wieder, da und dort so Wunschträume wahr werden!!!
Theresa
Liebe Regula
Dein riesengrosses Herz ist in jedem Wort spürbar, in jedem liebevoll gewählten Foto sichtbar und in der Musik dazu auch hörbar (vor allem das Stück von George Butterworth). Auch die passenden Düfte kommen von alleine …
Eine sinnliche Geschichte, die berührt.
Und ich hoffe mit allen anderen, dass sich eine lebensfrohe Lösung finden lässt. 💚
Bruno Glanzmann
Liebe Karin
Dein Garten ist ein Traum, ein grosser Wohlfühlort für Mensch und Tiere. Er darf so nicht verschwinden. Ich kann den Duft der Blumen riechen. Hier kannst du deine Seele bambele loo. Diese Farbenpracht, diese Kreativität, ein wahres Paradies. Darin hat es keinen Platz für Sorgen. Dein Garten strahlt Ruhe, Geborgenheit und Frieden aus. Ich verstehe, dass dieser Garten deine Heimat ist. ❤️
Ruth
Es ist sooo traurig, Karin’s Garten gibt es nicht mehr…
Und Karin hatte einen Zusammenbruch. 😤