5. Mai 2020

Ideen für die Cocooning-Zeit

Beim Wandern lässt man den Blick schweifen, nimmt die Natur wahr, Wiesen, Wälder, Dörfer, Hügel und Berge – mal nah, man fern. Mal eher rechts, mal eher links. Manchmal blickt man zu Boden, um nicht zu stolpern.

Aber nach oben schaut man eher selten.

Wandern kann man immer mal wieder unter ein Thema stellen.

Dies macht das Wandern abwechslungsreich und schärft die Wahrnehmung.

Mit den heutigen Digitalkameras oder Handys kann man die Wahrnehmung steuern und intesivieren, indem man bewusst Sujets zu einem Thema sucht.

Beispiele: Tiere, Blumen, Gräser, Zäune, Brunnen, Haustüren, Steine, Mauern, Unkraut, Wasser…

Unsere Wahrnehmung ist oft auf Augenhöhe, wir lassen die Blicke schweifen. Versuch mal, bei einer Wanderung oder einem Spaziergang bewusst das Oben und das Unten konzentriert wahrzunehmen.

Was sehe ich über mir, was unter mir?

Schau hinauf zu den Wipfeln der Bäume im Wald und dann hinunter auf den weichen Waldboden voller Tannnadeln.

Schau bewusst hoch zu den Wolken und dann zu den Steinen auf dem Weg.

Bei den Füssen und hoch über dem Kopf gibt es viel zu entdecken.

Man erkennt den steten Rhythmus von Entstehen und Vergehen.

Und immer wieder gibt es eine Verbindung zu sich selbst, denn die Brille, mit der wir wahrnehmen, hat viel mit uns selbst zu tun. Es gibt zahllose Brillen, nicht nur rosa und solche, die einen Nebelschleier verursachen.
Es gibt Brillen, die eher ein Lächeln provozieren als andere. Für die Farbe unserer Brillen, mit denen wir die Welt sehen, sind wir selbst verantwortlich.

Was mal ein starker Baum war, wird zu Schnipseln, zu Humus und wieder zu neuem Leben.

Vielleicht sucht man auch gleiche Formen, beispielsweise sternförmige Dinge.

Oder rechteckige Formen.

Fächerformen gibt es auch viele.

Interessant wird es, wenn man von einer Brücke oder einem Steg in ruhendes Wasser schaut. Dann spiegelt sich der Himmel im Wasser und oben und unten vermischen sich.

Achte darauf, wie das nach oben Schauen sich vom nach unter Schauen emotional auswirkt. Wenn wir Probleme haben, senken wir den Kopf, wenn es uns gut geht, tragen wir die Nase hoch. Achte darauf, wie ein strahlend blauer Himmel mit weissen Wolken emotional anders wirkt als ein grau verhangener.

Probiere es aus und lass bei der nächsten Wanderung Deinen Blick immer mal wieder von unten nach oben und zurück wandern. Deine Nackenmuskulatur wird sich freuen – und Du wirst eine neue Dimension des Wanderns erfahren.

Von einem Spazierweg, den man oft geht, hat man plötzlich ganz andere Eindrücke. Das Fotografieren verstärkt die Wahrnehmung – und man kann zuhause die Eindrücke nochmals nachvollziehen. Wer sagt denn, wandern oder spazieren sei langweilig?

Stillstehen, runterschauen, raufschauen – was man da nicht alles entdeckt!

Es gibt in der Natur nichts,
das nicht unsere Aufmerksamkeit verdient.

Ann Joris

Musik
Joachim Raff, 1822-1882, Symphony Nº3″”Im Walde”

Viele Fotos habe ich im Seleger Moor gemacht, das bis im Juni geschlossen bleiben muss.