Kunstgenuss in Basel

Basel bietet seinen Besucherinnen und Besuchern viel: Ich geniesse besonders die Altstadt, Museen und das Shoppen.

Es regnete in Strömen. Vom Bahnhof fuhren wir direkt ins Museum Fondation Beyeler. Klugerweise bezieht man das Eintrittsticket vorher über das Internet.

Durch den Park gelangt man zum Museumseingang. Das Museum, das aus einem dem Gelände in Stufen angepassten, dreiteiligen Museumstrakt besteht, fügt sich hervorragend in den Berower Parks mit seinem alten Baumbestand, den Seerosenteichen und der Aussicht auf Kornfelder, weidende Kühe und Rebberge ein. Der Bau schmiegt sich elegant in diese Kulturlandschaft und verbindet auf harmonische Weise Natur, Kunst und Architektur.

Die Mauern aus vulkanischem Gestein aus Patagonien wirken lebendig, der Regen lässt die Farben des Bodens noch intensiver leuchten.

Während des Besuchs der Ausstellung sollte man sich eine Ruhepause im Wintergarten mit Blick in die weite Landschaft gönnen. Die Augen danken für diese Entspannung. Man kann sich danach wieder mit voller Konzentration den Kunstwerken widmen.

Wir besuchten die Cézanne-Ausstellung. Vorgängig hatte ich mich mit seinem Leben und Wirken beschäftigt. Paul Cézanne (1839–1906) war ein Pionier der modernen Kunst. In der Ausstellung waren geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsberg, die Montagne Sainte-Victoire, zu sehen. Cézanne inspirierte Generationen von Künstlern und Künstlerinnen, beispielsweise Pablo Picasso.

Auf den Spuren von Cézanne war ich bereits früher in Aix-en-Provence unterwegs.

Gleich zu Beginn fielen mir zwei Porträts auf: links: 1890, rechts: ca. 1895.

Vor allem die Gestaltung der Hintergründe interessiert mich: Hier ein Ausschnitt aus dem Bild rechts. Struktur und Farbigkeit sind faszinierend.

Darauf legte ich nun meinen Fokus: auf “farbige Flächen”.

Apfel und Glas, 1879/80

Früher mochte ich Stillleben nicht besonders: Ich fand sie langweilig. Heute schätze ich deren Ruhe.

Flaschen und Pfirsiche, um 1880

Nicht nur die Bildkomposition überzeugt – ich sehe mir den “Hintergrund” genauer an.

Was mir ebenfalls auffällt: Mich sprechen Bilder an, die skizzenhaft, unvollendet wirken, mit viel weissem Raum.

Dies sind sehr persönliche Eindrücke, eigentlich habe ich keine Ahnung von Kunst. Aber ich erlaube mir, die Wirkung von Kunstwerken auf mich persönlich zu beschreiben. Das gefällt mir an Kunst. Ein Maler malt sein Bild, und jeder Betrachtende sieht wiederum sein ganz eigenes, persönliches Bild.

Ich versuche auch zu erspüren, was die opulenten Bilderrahmen mit mir machen. Wie empfindet Ihr den Unterschied: mit oder ohne Rahmen?

1906

Es gibt mehrere Bilder, die einen sitzenden Gärtner zeigen.

1906

Auch hier wieder die Faszination an der Farbigkeit des Hintergrundes.

Sechs Badende, um 1887

Ein weiteres Thema von Cézanne sind “Badende”. Der Fokus liegt eher auf der Bildkomposition als auf den Körpern.

Sieben Badende, um 1900

Fünf Badende, 1895 -1897

Wer würde “Fleisch” grün malen?

Dieses Bild spricht mich besonders an.

Dies ist mein Lieblingsbild. Ich mag die Kombination von Blau, Grün und Braun. Ich liebe die weissen und hellen Flächen, die dem Bild Leichtigkeit verleihen und die feinen “Tuschestriche”. Und ich schätze die Ruhe dieses auf die Mitte hinführenden Bildes.

Es gäbe noch viel zu erzählen zu den unterschiedlichen Bildern der Montagne Sainte-Victoire.

Derselbe Berg.

Immer wieder anders.
Tipp: Bei Google eingeben: Montagne Sainte-Victoire, Cézanne -> Bilder.
So kann man vergleichend viele Bilder mit demselben Sujet vergleichen. Und Infos dazu.
Auch interessant: Google: “Selbstbildnis Cézanne” -> Bilder
So kann man einen Museumsbesuch zuhause beliebig verlängern.

Und nun noch eine kleine Geschichte zu diesem Bild.

Das Museum bietet die Möglichkeit, selbst vor Ort das Aquarellieren auszuprobieren. Wir nahmen uns die Zeit und hatten Spass.

Es galt, nicht nur mit den Augen versuchen nachzuvollziehen, sondern auch mit einem Pinsel.

Nun meine Basel-Geheimtipps:

Wer findet den eisernen Gemüsestand?

Wer die Füsschen am Münster? Da müssen mal Heilige gestanden haben.

Wer das Scriptorium am Rheinsprung?

Ein Essen in einer französischen Brasserie gehört zum Besuch bei Cézanne.

Das war ein echter Klunker, unser verregneter Tag in Basel.

Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder,
sondern Kunst macht sichtbar.

Paul Klee

Blogbeiträge
Auf den Spuren von Cézanne
Reisen und Kunst
Eine Strasse in Basel

Informationen
Fondation Beyeler
Basel Tourismus
Brasserie Küchlin

Super Blog für Kunstliebhaber
Katharina Proch

Musik
Komponisten, die Zeitgenossen von Cézanne waren: Jacques Halévy, Georges Bizet, Charles Gounod, Jules Massenet, Claude Debussy, Maurice Ravel, Gabriel Fauré und Henri Duparc.
Fauré Dolly Suite for Piano, Four Hands, Op 56
Halévy: Ouvertüre
Chabrier: Suite pastorale
Musik der Belle Epoque
Massenet: Ballett Le Cid
Gounod ist mein Frankreich-Komponist
Sinfonie No. 1
Trauermarsch für eine Marionette
Faust-Ballettmusik

Buchtipp

Ich mag die Reihe “Zu Gast bei…”
Sie ist eine Kombination einer Künstlerbiografie, einer Kulturgeschichte der entsprechenden Zeit und Kochbuch.

Paul Cézanne war ein guter Gastgeber. Er hatte eine Vorliebe für die Küche seiner südfranzösischen Heimat. Dieser Band, der zahlreiche Rezepte provenzalischer Spezialitäten enthält, führt in die Gegend um Aix-en-Provence. Hier verbrachte der berühmte Maler einen großen Teil seines Lebens und hier fand er immer wieder aufs Neue Inspirationen für sein künstlerisches Werk.

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Ei, Ei, Ei, ein NEINhorn

  1. carmen

    Kunstgenuss auch zu Fluss, immer wieder ein Genuss. Gruss zum Schlusssss

    • gianina

      Eine wunderbare Einstimmung auf meinen bevorstehenden Besuch in Basel im Museum als grosse Cezannes Liebhaberin , viele lieben Dank, Regula

  2. Margret Willen

    Liebe Regula
    Wie immer, ein toller Bericht! Freue mich jedes Mal!
    Liebe Grüsse, Margret

  3. Ritanna

    Geniale Betrachtung; wie z.B. Bild ohne Rahmen für mich Cézanne “musikalische Komposition” bringt er in seiner Art zum Ausdruck. Nach den Kriegsjahren 1870-1871 wandte er sich von romantischen Themen ab, befasste sich vornehmlich mit Landschaften, wie auch die Treppe, die für mich quasi in die Ewigkeit führt in die Unendlichkeit, die alles offen lässt. Die Leichtigkeit, der Pinselführung, die Farben eher nebeneinander, eben, ich kann mich in die Unendlichkeit verlieren, in Ruhe kommen, entschleunigen. Dann die Glasmalkunst an den Lampenschirmen erhellt und erstrahlt das Gemüt. Ich danke für diesen Ausflug in Leichtigkeit.

  4. Daniela

    So erfrischend, wie du seine Kunst aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtest! Danke liebe Regula, das war ein inspirierender Tag mit dir!🤗

  5. Susanne

    Liebe Regula
    als fleissige Leserin Deines Blogs fällt mir auf, dass es offenbar immer mal wieder verregnete Tage und Reisen gibt, die Du durchziehst (es gibt ja nur schlechte Kleidung, kein schlechtes Wetter ;-)).
    Doch trotz oder vielleicht gerade wegen des Regens erscheinen Deine Bilder so aamächlig! So nachvollziehbar und so bunt!
    Da denkt sich frau: soll ich hoffen, dass bei meinem nächsten Ausflug auch das Regenwetter so schöne Erfahrungen nach sich zieht?

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